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Nematoden: Einsatz von Fadenwürmern im Kampf gegen schädliche Bodeninsekten

 

Das Pflanzenschutzpotenzial von entomopathogenen Nematoden (EPN), die bodenbewohnende Schädlinge abtöten, ist keineswegs ausgeschöpft. Art und Häufigkeit dieser Bodenmikroorganismen wurden an mehreren Standorten untersucht. Gleichzeitig wurde geprüft, ob sie sich für den Einsatz in der biologischen Schädlingsbekämpfung eignen.

Hintergrund (abgeschlossenes Forschungsprojekt)

Der grossräumige Einsatz entomopathogener Nematoden (EPN) in der Schädlingsbekämpfung erweist sich bisher als kostenmässig ineffizient. Dies liesse sich mit vertieftem Wissen über EPN sowie mit der Entwicklung effektiver Anwendungsmethoden zur Schädlingsbekämpfung ändern. Angesichts des Klimawandels, der zur Zuwanderung neuer Bodeninsekten führt und dadurch neue Gefahren für landwirtschaftliche Kulturen mit sich bringt, ist dies von Bedeutung.

Ziel

Das Projekt untersuchte das Vorkommen von EPN in Schweizer Landwirtschaftsböden ebenso wie in Böden an natürlichen Standorten und ermittelte die Faktoren, die ihre Populationsdichte und ihre Effektivität als Schädlingsbekämpfungsmittel bestimmen. Als Teil des Bodenbiologie-Clusters wurde die Verträglichkeit von EPN in Kombination mit anderen nützlichen Bodenorganismen untersucht.

Resultate

Neu entwickelte molekulare Methoden erlauben die sehr präzise Bestimmung und Quantifizierung verschiedener EPN-Arten in Bodenproben. Insgesamt waren in den Böden nur sehr wenige EPN vorhanden und es bestanden keine Unterschiede zwischen Anbausystemen. Keine der getesteten Anbaumethoden hatten einen Einfluss auf die Anwesenheit oder die Persistenz von EPN. Eine geringe positive Wirkung zeigte nur der Einsatz von Gründüngung.

Der Hauptgrund für die tiefe Zahl von EPN liegt wohl im intensiven Konkurrenzkampf mit anderen Organismen und im hohen Druck durch natürliche Feinde. Möglicherweise gibt es auch zu wenige Wirtsinsekten für die Vermehrung, so dass EPN keine dauerhafte Population aufbauen können.

EPN können problemlos zusammen mit nützlichen Bakterien und Mykorrhiza-Pilzen zum Einsatz kommen, wobei zum Teil sogar positive Wirkungen auf das Pflanzenwachstum beobachtet werden. In einem ersten Feldversuch erzielte der kombinierte Einsatz von EPN und/oder Bakterien bei Mais eine Ertragssteigerung von 30 Prozent.

Bedeutung für die Forschung

Neue Erkenntnisse zur Ökologie der EPN und zu den Faktoren, die die Häufigkeit von EPN bestimmen, konnten gewonnen werden. Biologisch bewirtschaftete Kulturen weisen genau so geringe EPN-Populationen auf wie solche, die konventionell und mit intensivem Pflügen bearbeitet werden. Die Konkurrenz durch andere Bodenorganismen sowie natürliche Feinde sind die Hauptfaktoren für die Regulierung der EPN-Populationen. Zudem wurde neu entdeckt, dass freilebende Nematoden mit EPN in starke Konkurrenz um Insektenkadaver treten können.

Bedeutung für die Praxis

Die Vorkommen von EPN in Schweizer Landwirtschaftsböden sind – unabhängig von der Anbaupraxis – unzureichend, um gegenwärtige oder künftige Bodenschädlingsprobleme wirksam zu bekämpfen. Für eine effektive Schädlingsbekämpfung bedarf es der Ausbringung von EPN. Heutige Anwendungsmethoden sind dafür jedoch zu teuer, weshalb neue Methoden entwickelt werden sollten.

Originaltitel

Applications of entomopathogenic nematodes for a sustainable control of soil insect pests

Projektverantwortliche

  • Prof. Ted Turlings, Universität Neuenburg
  • Dr. Fabio Mascher-Frutschi, Agroscope, Changins

 

 

Weitere Informationen zu diesem Inhalt

 Kontakt

Prof. Théodoor Turlings Institut de Biologie Université de Neuchâtel Rue Emile-Argand 11 2009 Neuchâtel 9 +41 32 718 30 00 ted.turlings@unine.ch

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